Annette Dörre-Rosengarth

Quotenfrau? Von wegen!

Annette Dörre-Rosengarth ist die Produkt-Designerin bei der Schwalm Robotic GmbH. Von einer Frauenquote hält ihr Arbeitgeber Martin Schwalm und sie selbst so rein gar nichts. Es wäre auch sträflich, die 48-Jährige darauf zu reduzieren. Vielmehr verantwortet sie seit Beginn des Jahres 2014 bei der Schwalm Robotic ein Aufgabengebiet, das das Schwalm-Produktdesign, deren Produktions-Mitarbeiter nebst Organisation und Bestellgrößen, die Dokumentation der Warenwirtschaft/der Produktionsgruppen und, und, und... beinhaltet. Innerhalb der bisher vierjährigen Betriebszugehörigkeit hat die gelernte Maschinenbauzeichnerin schon Vieles davon im männerdominierenden Unternehmen Schwalm Robotic erfolgreich neu aufgebaut bzw. optimiert. Um von der Mutter von heute vier erwachsenen Kindern zu erfahren, wie sie dieser Aufgabe täglich mit Freude nachgeht, hat sie die Redaktion von KANALisiert einen Tag lang begleitet.

 

 

Der Tag beginnt bei Annette Dörre-Rosengarth früh. Sehr früh. Um 4.15 h klingelt der Wecker neben ihrem Bett. Dies steht knapp 70 km vom Arbeitsplatz entfernt. Sie geht duschen und nimmt sich den so wichtigen Kaffee mit ins Bad. Muss sie doch den um 5.47 h am Bahnhof abfahrenden Zug gen Bad Hersfeld erreichen. Am 20.03.2018, es sind minus 5 Grad, sind wir mit ihr verabredet und holen sie um 6.15 h am Bahnhof Bad Hersfeld ab. Leicht fröstelnd, aber sehr frisch und munter wirkend, steigt sie ins Auto. „Ich bin das ja gewohnt, dass mein Tag so früh beginnt,“ sagt sie lächelnd und ergänzt: „Normalerweise gabelt mich hier ein Kollege von der Robotic auf und wir starten gemeinsam in den Arbeitstag.“

In der Industriestraße in Asbach angekommen ist noch alles ruhig und vor allen Dingen schön warm. Als erstes macht sich Dörre-Rosengarth eine „heiße Zitrone“. „Die hält mich bei diesem Wetter fit und beugt Erkältungen vor. Jetzt kann der Tag kommen.“ Wir gehen in ihr Büro und sie zeigt mir am Computer, wie der heutige Tag bei ihr strukturiert ist. Um 9.30 Uhr steht die Besprechung mit den Mitarbeitern der Fertigung / Werkstatt an. „Die findet regelmäßig dienstags statt, damit wir uns im Team über den Bestand der Zulieferteile, eingeteilt nach Warengruppen, für aktuell zu bearbeitende Aufträge abstimmen können.“ Generell ist es Dörre-Rosengarth sehr wichtig, die Kommunikation unter den Mitarbeitern und den Abteilungen zu fördern. Denn das weiß die erfahrene Powerfrau: „Mit Zurufen über den Flur kommt man nicht weiter. Deshalb habe ich auch von Beginn meiner Tätigkeit an bei Schwalm eine Meetingkultur eingeführt. Gute Mitarbeiter (und davon hat die Schwalm Robotic eine ganze Menge) hat und hält man nur dann, wenn man ihnen die Möglichkeit gibt, sich und ihre Ideen innerhalb ihres jeweiligen Aufgabengebiets mit einbringen und auch über etwaige Störfaktoren im verantwortlichen Team sprechen zu können. Gerne nehme ich in diesen Besprechungen auch Verbesserungsvorschläge entgegen und das Wichtigste, ich nehme sie ernst.“

Überzeugen kann ich mich davon erneut im zweiten Meeting des Tages um 10.30 Uhr. Es sitzen die Mitarbeiter der Produktion mit der Produkt-Designerin zusammen. Es erfolgen Absprachen über die aktuelle Auftragssituation. Gibt es Produktionsengpässe? Welche Teile sind noch nicht vorrätig, wann werden diese eintreffen? Jeder kommt zu Wort und bringt sich vertrauensvoll mit ein. Wer jetzt glaubt, bei Schwalm finden den ganzen Tag nur Besprechungen statt, der irrt. Vielmehr haben beide Meetings zusammen nicht länger als eine Dreiviertelstunde gedauert. Gut informiert und in den Absprachen verbindlich verblieben haben sich die Teams wieder an ihren jeweiligen Arbeitsplatz begeben. Im Büro der Produkt-Designerin wartet jetzt aber schon der Kollege Jochen Zeitler, Leitung Technik und Kundenberatung bei der Schwalm Robotic GmbH. Er hat Abstimmungsbedarf zu einer technischen Zeichnung eines Schwalm-Produktes. Hier haben sich Veränderungen ergeben, die in die Dokumentation mit einfließen müssen. Die beiden Fachleute stehen vor dem Rechner, welcher über das Konstruktionsprogramm „Inventor“ von Dörre-Rosengarth angefertigte Zeichnungen als 3D-Ansichten liefert und diskutieren mit Leidenschaft die beste Lösung. Engagiert, kontrovers, doch immer respektvoll. Nur so entstehen fantastische Resultate! Mein Eindruck ist, Dörre-Rosengarth steht hier ihren „Mann“. Und darüber hinaus noch viel mehr. Neben der ausgeprägten Fachkompetenz bringt sie die für eine Führungskraft so wichtige natürliche Autorität mit und hat darüber hinaus jede Menge Empathie mit im Gepäck. Und ihr Wort gilt! Nichts ist aufgesetzt, vielmehr spürt man, wie viel Freude ihr diese Aufgabe bereitet. Ihre Identifikation mit dem Unternehmen und den Mitarbeitern ist enorm hoch.

Jochen Zeitler hat gerade das Büro verlassen, schon bittet mich die agile Produkt-Designerin mit in das Teilelager, die Werkstatt und Produktion zu gehen. Hier möchte sie sich im Gespräch mit Mitarbeitern über den aktuellen Produktions-Status Quo zu derzeit wichtigen Schwalm-Robotic-Teilen informieren und diese prüfen. Zufrieden über die Gesprächsergebnisse gehen wir nach 15 Minuten zurück in ihr Büro. Es ist jetzt 11.45 Uhr. Nun kann sie sich den Telefonanrufen mit den Lieferanten widmen, um über Produkt-Aktualisierungen, Stückzahlen und Lieferzeitfenster zu sprechen. Das, und auch die Angebotseinholung bei Lieferanten, gehört ebenfalls zu ihrem Aufgabenspektrum.

12.30 Uhr – Eine halbe Stunde Mittagspause für das gesamte Team. Dörre-Rosengarth trifft sich, wie jeden Mittag, mit ihren Kollegen im Pausen/-Sozialraum, um wiederum den persönlichen Austausch zu suchen. Auch hier kommt sie gut an. Obendrein geht die ein oder andere private Geschichte über den Tisch.

Eingeläutet wird danach die Runde zwei des Arbeitstages. Auf der Agenda steht eine der größten Aufgaben von Dörre-Rosengarth. Die Dokumentation der gesamten Warenwirtschaft/Schwalm-Produktgruppen nebst Festlegung der Bestellgrößen im Warenwirtschaftssystem. „Eine sehr komplexe Aufgabe, die mir jedoch sehr am Herzen liegt,“ betont die 48-Jährige. „Denn wenn diese komplett und auf aktuellem Stand vorliegt, werden die Prozesse hier im Hause für alle an der Produktion Beteiligten transparenter und verbessert. Das Ergebnis: mehr Effizienz.  Schau`n wir doch mal, wie weit ich heute komme. Um 17.00 h ist dann aber definitiv Schluss für heute. Dann muss ich wieder zum Bahnhof in Bad Hersfeld, um nach Hause zu kommen.“ Allerdings bräuchte nicht ich sie wieder dorthin bringen. Vielmehr sei es ein ungeschriebenes Gesetz unter den Mitarbeitern, dass einer von ihnen sie dorthin bringt. Und das passiert ohne Ansprache jeden Tag. „Das ist schon sehr besonders und weiß Gott nicht selbstverständlich. Ich nehme es aber als Wertschätzung meiner Person gegenüber gerne an. Ich freue mich auch schon wieder auf morgen Früh, wenn ich am Bahnhof in Bad Hersfeld von einem Kollegen zur Schwalm-Robotic mitgenommen werde. Und dann heißt es wieder: „Der Tag kann kommen.“


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