Mit der Werkstatt auf Achse

Kriterien für den Erwerb eines autarken Kanalsanierungsfahrzeugs

Die Idee liegt auf der Hand: Bei der Fahrt zum Einsatzort muss nicht erst alles zusammengesucht werden. Kompaktheit und Unabhängigkeit sind ein wesentliches Ziel. Wer den Gedanken der partiellen Kanalsanierung in geschlossener Bauweise weiterspinnt, wird sich früher oder später ein voll ausgestattetes Sanierungsfahrzeug für den Einsatz vor Ort wünschen.

Neben Robotern und Packern für die ferngesteuerten Arbeiten im Kanal, beherbergt das Sanierungsfahrzeug eine ausgeklügelte Infrastruktur über Tag. Strom, Wasser, Druckluft, Spülaggregat, Montagematerial, eine ergonomisch gestaltete Werkstatt, Systemsteuerung, Videolabor und Aufenthaltsraum – alles das ist an Bord und ermöglicht höchste Fertigungsqualität und Freude an der Arbeit. Am Beispiel des Systems Schwalm wird ein Lösungskonzept besprochen.

Das Sanierungsfahrzeug: Lkw plus Kofferaufbau

Vom TÜV als „selbstfahrende Arbeitsmaschine“ klassifiziert, wird ein Sanierungsfahrzeug als Typ der Transporterklasse (bis 4,6 t) oder – je nach Ausbaustufe – auf einem 7,5- oder 12-Tonner aufgebaut. Das heißt: Fahrgestell und Führerhaus kommen vom Lkw-Hersteller. Damit hat man die Basis. Die Werkstatt selbst wird sodann nach individuellen Vorgaben in einen begehbaren Kastenaufbau eingebaut, im Fachjargon „Koffer“ genannt. Hilfsaggregate im Unterflurbereich ergänzen das Spezialfahrzeug.

Schrittweise zur kundenindividuellen Lösung

Schritt 1: Grundlegende Fragen

Es gibt nicht das Sanierungsfahrzeug schlechthin. Drei allem vorangehende Fragen helfen, Ausstattung und Wirtschaftlichkeit in ein sinnvolles Verhältnis zueinander zu setzen: 1. Wo soll das Fahrzeug eingesetzt werden? 2. Was genau soll damit gemacht werden? 3. Wie viel darf das Fahrzeug kosten? Beispiel: Wer in Istanbul oder in Locarno durch Altstadtstraßen manövrieren will, braucht ein kleines wendiges Fahrzeug. Größe allein macht es nicht. Qualitätssicherung erfordert zudem ein hinreichend gut ausgestattetes Sanierungsfahrzeug. Unterhalb eines notwendigen Minimums lässt sich leider nur Pfusch machen. Dazu gehört jedoch auch, dass man sich umgekehrt fragt: Welche Ausstattung ist übertrieben?

Schritt 2: Layout und Planung

Ganz einfach geht es am Anfang zu. Kunde und Berater sitzen beisammen und machen erste Grundentwürfe mit Papier und Bleistift. Ein Pflichtenheft wird erstellt. Erst wenn sich die Dinge verdichtet haben, kommt die CAD-Planung zum Zuge. Fahrzeugdesign und Technik nehmen nun Kontur in 3D an. Besondere Bedeutung kommt dabei der ergonomischen Gestaltung des Arbeitsplatzes zu. Sicheres und ermüdungsfreies Arbeiten in sauberer und angenehmer Atmosphäre steigern Qualität und Motivation. Sogar eine Toilette und Waschgelegenheit findet man an Bord. Kanalsanierung ist eben keine Drecksarbeit sondern Handwerk der Spitzenklasse.

Schritt 3: Realisation

Der Innenraum ist aufgeteilt in einen Werkstattbereich und einen abgegrenzten Regieraum für TV-Inspektion, Videodokumentation und Robotersteuerung. Es gibt keine modularen Standards für den Ausbau eines Koffers. Der Ausbau folgt exakt dem Anforderungsprofil des Kunden. Ob Hilfsaggregate, Werkstatt-Inventar, Arbeitsflächen, Möblierung oder Design – vom Regieraum an wird nach hinten alles millimetergenau eingepasst. Alles steht unverrückbar am Platz. Schubladen und Schränke sind verriegelbar. Komplett ausgestattet, verfügt ein solches Sanierungsfahrzeug über Roboter für die anfallenden Inspektions- und Sanierungsarbeiten sowie Packer für das Kurzlining. Hinzukommen EDV-Equipment und Steuerkonsole für die Robotik. Montagematerialien wie Glasfasermatten, Filzhüte und Spezialharze werden ordentlich magaziniert und griffbereit an Bord vorgehalten. Die Versorgungsaggregate im Einzelnen: Wasserversorgung (bis zu 1.500 Liter); Hochdruckpumpe mit 140 bar Arbeitsdruck und einer Literleistung von 120 Litern pro Minute; Kompressor mit einer Leistung von 3 bis 6 m³ pro Minute; Stromversorgung mit 220 Volt und einer Dauerleistung von 8 Kilowatt auf Basis eines unabhängigen Dieselaggregats. Spezialfahrzeuge dieses Typs liegen im sechsstelligen Eurobereich. Von der Auftragserteilung bis zur Lieferung vergehen etwa sieben bis neun Monate. Darin sind die heute üblichen Lieferzeiten der Lkw-Hersteller von bis zu sechs Monaten berücksichtigt.

Zusammenfassung

Wer heute ein Spezialfahrzeug für die Kanalsanierung erwerben möchte, sollte sich Klarheit über das eigene Anforderungsprofil verschaffen: Was will ich machen? Welche örtlichen Gegebenheiten sind zu berücksichtigen? Welche Investitionsausgaben kommen mindestens auf mich zu? Ein gut ausgebautes Sanierungsfahrzeug hilft Zeit, Kosten und Nerven sparen. Weitgehende Autarkie am Einsatzort ist erstrebenswert, um optimale Qualität abzuliefern.

Erschienen in: BI Umweltbau 06/07


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